Besetzung des bischöflichen Stuhls von Hildesheim 1928/29

Der Hildesheimer Bischof Joseph Ernst starb am 5. Mai 1928. Nach seinem Tod stellte sich die Frage, ob für die Neubesetzung des Bischofsstuhls die Bulle Leos XII. "Impensa Romanorum Pontificum" vom 26. März 1824 galt. Zunächst wollten Pacelli und die Römische Kurie mit der Neubesetzung bis zum Abschluss des Preußenkonkordats warten, um kein Präjudiz zu schaffen. Da sich die Verhandlungen aber länger als erwartet hinzogen, einigten sich die preußische Regierung und der Nuntius im November, dass Papst Pius XI. einen neuen Bischof nach Fühlungnahme mit Berlin ernennen würde. Das Hildesheimer Domkapitel verzichtete widerwillig auf das ihm in der Bulle "Impensa Romanorum Pontificum" verbriefte Bischofswahlrecht. Der Wunschkandidat Pacellis, der Münsteraner Domprediger und Homiletikprofessor Adolf Donders, verzichtete im Dezember aus gesundheitlichen Gründen auf das Amt. Den zweiten Favoriten des Nuntius, den Trierer Weihbischof Antonius Mönch, lehnte die Regierung ab, weil dieser außer am Trierer Priesterseminar nur an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom und an keiner staatlichen Universität in Deutschland studiert hatte. Beide Seiten einigten sich schließlich auf den Regens des Trierer Priesterseminars Nikolaus Bares. Pius XI. ernannte ihn am 15. Januar 1929 zum Bischof von Hildesheim. Von der Nomination erfuhr das Kapitel erst aus der Zeitung. Bares wurde am 25. Februar vom dortigen Bischof Franz Rudolf Bornewassser in Trier geweiht und am 12. März in Hildesheim inthronisiert.
Derzeit entsteht am Seminar für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte eine Dissertation über die Bischofseinsetzungen in der Weimarer Republik durch Raphael Hülsbömer, der insbesondere die Rolle Eugenio Pacellis in den Besetzungsfällen untersucht und die vatikanischen Dokumente sämtlicher Besetzungsfälle ausführlich auswerten wird.
Literatur
Bulle Leos XII. "Impensa Romanorum Pontificum" vom 26. März 1824; Schlagwort Nr. 2114.
FLAMMER, Thomas, "…mit geistig unbedeutenden Personen ist wenig gedient". Die Bischofswahlen von Nikolaus Bares und Joseph Godehard Machens im Spiegel der neuzugänglichen vatikanischen Akten, in: Die Diözese Hildesheim in Vergangenheit und Gegenwart. Jahrbuch des Vereins für Geschichte und Kunst im Bistum Hildesheim 72 (2004), S. 217-257.
Verhandlungen über ein Konkordat mit Preußen 1924-1929; Schlagwort Nr. 25084.
Empfohlene Zitierweise
Besetzung des bischöflichen Stuhls von Hildesheim 1928/29, in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Schlagwort Nr. 3167, URL: www.pacelli-edition.de/Schlagwort/3167. Letzter Zugriff am: 25.09.2022.
Online seit 20.01.2020.
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