Französische Revolution 1789

Die Französische Revolution stellt eines der epochemachenden Ereignisse der Neuzeit auf dem Weg zu moderner Demokratie und Verfassungsstaatlichkeit dar. Aus kirchlicher Sicht ist sie gleichzeitig der Stein des Anstoßes, der zu einer Entfremdung von katholischer Kirche und Demokratie führte, die erst im 20. Jahrhundert ausgeräumt werden konnte.
Kirche und Revolution standen sich nicht von vornherein feindlich gegenüber. Die Kirche wurde von Seiten der Revolutionäre als einheits- und sinnstiftendes Element der neuen Gesellschaft verstanden, deren Position als Träger von Fürsorge- und Bildungseinrichtungen sowie der staatlichen Verwaltung anerkannt wurde. Es entstanden nach einer Phase der gegenseitigen Offenheit zwischen Revolutionären und der katholischen Kirche jedoch mehrere Konflikte, die schließlich zum Bruch führten. Entscheidend wurden dafür vor allem die Säkularisation des Kirchenguts (2. November 1789) und die Zivilkonstitution des Klerus (12. Juli 1790). Beide stellten massive Eingriffe in den innerkirchlichen Bereich dar. Die neukonzipierte Kirchenverfassung sollte die Kirche an das neue Staatswesen anpassen, indem etwa die Diözesangrenzen an die neu entstandenen Départements angeglichen wurden, ein Kontrollgremium für die Bischöfe geschaffen, die Wahl von Pfarrern und Bischöfen durch das Volk beschlossen und der Kirche jeglicher Kontakt mit ausländischen Mächten – auch dem Papst – untersagt wurde. War die Kirche bereits zu Beginn der Revolution in zwei Lager gespalten, vollzog sich das Schisma nun erst recht zwischen den Befürwortern und den Gegnern der Konstitution. Die fortexistierende, romtreue Kirche Frankreichs wurde in der Folgezeit mehr und mehr als Feind des neuen Staates verfolgt. Ab Sommer 1792 kam es vermehrt zu Gewaltexzessen gegen Geistliche. Die revolutionäre Regierung hatte sich mittlerweile derart radikalisiert, dass sie die Dechristianisierung des Landes zum Ziel erklärte.
Damit war die Französische Revolution für die Kirche binnen weniger Jahre von einem hoffnungsvollen gesellschaftlichen Experiment zur entsetzlichen, traumatischen Erfahrung geworden. Auch wenn eine gewisse Denktradition der katholischen Demokratie in Frankreich im 19. Jahrhundert weiterexistierte, entwickelte sich die Gesamtkirche in der Folgezeit zur schärfsten Gegnerin jeglicher demokratischer Bestrebungen in Europa.
Literatur
ALLEMANG, Georg, Französische Revolution, in: Lexikon für Theologie und Kirche 8 (1936), Sp. 857-860.
MAIER, Hans, Die Französische Revolution und die Kirchen, in: SCHUBERT, Venanz (Hg.), Die Französische Revolution. Wurzeln und Wirkungen. Eine Ringvorlesung der Universität München (Wissenschaft und Philosophie 7), St. Ottilien 1989, S. 155-189.
PAPENHEIM, Martin, SKALWEIT, Stephan, Französische Revolution, in: Lexikon der Kirchengeschichte 1 (2001), Sp. 466-472.
SIEBURG, Heinz-Otto, Die Französische Revolution. Ursprünge und Phasenverlauf. Interpretationen – Ergebnisse – Wirkungen, in: TIMMERMANN, Heiner (Hg.), Die Französische Revolution und Europa 1789-1799, S. 19-34.
Empfohlene Zitierweise
Französische Revolution 1789, in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Schlagwort Nr. 8037, URL: www.pacelli-edition.de/Schlagwort/8037. Letzter Zugriff am: 29.09.2022.
Online seit 14.05.2013, letzte Änderung am 16.12.2013.
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