Dokument-Nr. 18666
Schulte, Karl Joseph an Pacelli, Eugenio
Köln, 10. April 1927

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Hochwürdigster und verehrtester Herr Erzbischof!
Euerer Exzellenz geschätzte Anfrage vom 1. d. M. (37193) sogleich zu beantworten, hinderte mich leider einer mehrtägige Abwesenheit von Köln. Der in Rede stehende geistliche Studienrat Dr. Ludwig Schade erfreut sich in hiesiger Erzdiözese, der er als Priester angehört, eines durchaus guten Rufes. Sein priesterlicher Lebenswandel und sein geistliches Wirken bewährten sich als lobenswert in allen Stellungen, die er bis zu seinem Weggange nach Berlin im Erzbistum Köln bekleidete. Das Vertrauen meines hochseligen Vorgängers übertrug dem Genannten, der übrigens wissenschaftlich-theologisch gut qualifiziert ist und in den ihn näherhin interessierenden Fragen der Exegese stets eine treu kirchliche konservative Richtung vertrat, während des Krieges die Leitung der in der Türkei befindlichen katholischen deutschen Soldatenheime. Diese Leitung war in Konstantinopel zentralisiert und hier nahm Herr Schade auch seinen Wohnsitz. Aus dieser Tätigkeit hat er ein starkes kirchliches und wissenschaftliches Interesse für die Frage des vorderen Orients mit heimgebracht. Er machte 1924 oder 1925 eine längere Studienreise durch die Balkanländer. Das Auswärtige Amt in Berlin, das meiner Erinnerung nach diese Reise finanzierte, muß seine Berichte recht hoch eingeschätzt haben. Auch schriftstellerisch gab Herr Schade Belege für seine Kenntnisse in westorientalischen Fragen. Dem weit gewordenen geistigen Blickfelde entsprach-
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en die engen Verhältnisse seiner Religionslehrerstelle in dem rheinischen Landstädtchen Rheinbach nicht mehr und so kam es, daß er mit vor ca 2 Jahren um Beurlaubung nach Berlin bat. Es war ihm angeboten worden, als Philologe und kath. Religionslehrer Nachfolger des Herrn Dr.  Kurfeß, eines Priesters der Diözese Rottenburg, zu werden, der jetzt als Oberschulrat für das rheinische höhere Schulwesen beim Provinzialschulkollegium in Coblenz tätig ist. Seit seinem Weggange von Rheinbach nach Berlin sind mir über Herrn Dr. Schade keinerlei ungültige Nachrichten zugekommen.
Hoffentlich erleichtern diese meine Mitteilungen Euerer Exzellenz das Urteil, ob Herr Dr. Schade für das ihm zugedachte wichtige Amt sich eignet oder nicht. Ich verharre in bekannter Verehrung und Ehrerbietung
Euerer Exzellenz
allzeit treu ergebenster
(f.) CJ Card. Schulte
1Protokollnummer des Staatssekretariats.
2Protokollnummer der Kommission Pro Russia
Empfohlene Zitierweise
Schulte, Karl Joseph an Pacelli, Eugenio vom 10. April 1927, Anlage, in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Dokument Nr. 18666, URL: www.pacelli-edition.de/Dokument/18666. Letzter Zugriff am: 15.04.2024.
Online seit 25.02.2019.