Dokument-Nr. 19398
Weber, Louise an Pacelli, Eugenio
Budapest, 24. August 1928

Seiner Eminez Päpstlicher Nunzius!
Herr Exelenz!
Ich bite untertänigst mir zu verzeien, wenn ich mich nochmals an heilige Stelle heranwage, [ein Wort unlesbar und durchgestrichen] an Seiner Eminenz. Ich habe durch einen Eilbrief meine Anliegen, und schwer heimgesuchte Lage, Seiner Eminenz bereits mitgetheilt. Ich gehöre auch zu jehenen, die reich waren, und durch die Ruhrbesetzung und dem Zusammenbruch des deutschen Reiches, um Hab und Gut, und um mein großes Vermögen an Gelt gekommen
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bin. Ich mußte nun nach Budapest flüchten zu meinem Bruder der mich hir in ein Kloster, was ein Damenheim ist, <gab> und sorgte so treu und edel auf daß Gewissenhafteste für mich. Er wurde aber plötzlich sehr krank und starb auch gleich. Ich stehe nun gänzlich verlassen ohne Mittel mit 63 Jahren, in fremden Lande, den da ich Reichsdeutsche bin, habe ich hir von keiner Seite etwas zu hoffen. Zu alle diesen schweren Schiksalschlägen kommt noch daß größte. Daß Kloster hat mir erklärt Sie können mich da ich nicht mehr zahlen kann, fernerhin nicht mehr behalten, ich soll suchen anders wo hinzukommen oder ich solle zahlen. Auserdem bekam ich auch eine Warnung von der Polizei, wenn ich kein festes Heim für Lebensdauernt im Kloster schriftlich aufweisen kann, verfällt
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meine Aufenthaltsbewilichung sofort und ich werde ausgewisen. Daß hat man mir bereits Amtlich zugeschikt. Da ich mich als Deutsche nur an die Gesantschaft wenden kan, so sagt mir der Herr Gesante folgende Worte. Mein Kind, sachte der Hohe Herr Graf Freiherr von Schön der deutsche Gesante hir in Budapest. Lassen Sie sich da Sie, wie ich mir vom Kloster aus mir mitgetheilt wurde gewissermase auch Ordensfrau im driten Orden des hl Franziskus wären, und ein rein Geistliches Leben führen, von der Kirche helfen. Wenden Sie sich an den Apostolischen Nunzius nach Berlin, und ersuchen, Sie Seiner Eminenz möge sich Ihrer so traurichen und unbedingt schweren Lage helfen und annehmen. Und Ihnen bei Seiner Heilichkeit
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dem Heilichen Vater ein Fürsprecher und Vermitler sein. Er sachte weiter der hl. Vater erhält so viele Klöster. Er kann auch einem so schwer heimgesuchten, und verlassenen Kinde helfen. Ja Er sachte sogar Es sei ja ein Seelenpflicht. Er sachte weiter die deutsche Gesantschaft kan mit Gelt Ihnen nicht helfen. Er sachte es sei gänzlich ausgeschloßen. Aber in ein armen Haus wo alles Lutherischer Religion ist, und die Zustände dort so schreklich sind da alles überfüllt ist können wir Ihnen thun. Sie werden aber dort gleichsam in einer Hölle leben und sehr unglüklich sein. Zumal Sie doch lange Zeit im Kloster gelebt haben und eine Geistliche Persohn sind, der Herr
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Graf und Gesante sachte sogar. Mein Kind Sie würden mir leit [ein unslebarer Buchstabe] thun, da Sie ja doch aus angesehener reicher und sehr frommer Familie stammen, den in diesen Häusern, die ja alle Staatlich erhalten werden, muß man sich auch den Verhältnißen und dem Geiste dort anpassen, der nihts wenicher als rein katolisch noch fromm ist. Seiner Eminenz bite ich geruhent mich zu verstehen. Ich führe jetzt mit den Schwestern ein Geistliches Leben. Bete gemeinschaftlich daß ganze Ofiziunn in Lateinisch mit Ihnen laut mit lebe gänzlich zurükgezogen in Arbeit der Kirchenornamente für daß Kloster. Un nun soll ich plötzlich in ein Armenheim???
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unter Brimitife Karaktere und alles Prodestandisch Gleichsam aus dem Geistlichen Leben ausgestoßen. Der Gedanke daran ist mir schon fürchterlich. Wird der liebe gute Gott daß zugeben?? Und doch wird es so werden wenn mir nimand hilft. Den hir im Kloster behält man mich nicht wenn ich nicht zahle. Da ich nun ein großes Kapithal im Kloster [ein unslebarer Buchstabe] gezalt habe seit ich hir bin so bedarf es nur mehr einer Zalung für 10 Jahre noch, w. Wie mir die Oberin gesacht hat. Wenn ich diese Sume noch zahle werde ich mit einem Schriftlichen Vertrag für Lebensdauernt hir aufgenommen. Ich bite nun Seiner Eminenz Gnade mir beim heiligen Vater2
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meine Lage vorzustellen und Seiner Heilichkeit den Heiligen Vater fürbitent gerufen um Hülfe für mich anzuflehen. Ich bite nochmals im Namen Jesu und der lieben Muttergottes Seiner Eminenz Gnade gerufen mir ein Barmherziger Samaritan und rettender Engel zu sein. O der liebe Gott der Seine Ihm geweihte Seele kent, … wird es im Himel reichlich vergelten. Beim Heiligen Vater bin <ich> bei Gott selbst. Und wo soll ich noch um Hülfe biten als hir? Ich kann mir mein Brod da ich 63 Jahre bin und ein Leiden habe da ich Operirt wurde <nicht mehr verdienen>. Ich bite Inständich mit meinen Thränen um eine Gnädiche Hülfe. Die Herrn Geistlichen
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die hir vunggiren sind gerne bereit (alle) ein Zeugniß über mich Seiner Eminenz auzustellen wenn es verlangt wird. Da die Gesantschaft so wie die Ungarische Behörde so wie auch daß Kloster wissen will ob der Heilige Vater mir helfen will, da eins vom Anderen mit der Aufenthaltsbewilichung abhängt. So bite ich Seiner Eminenz geruhent mir eine gefäliche Antwort zu geben, und den Betrag an mich zu senden da ich noch im Kloster bleiben kann bis ich Hülfe bekomme.
In der Erwartung einer Gnädichen Hülfe hoffent zeichnet in Untertänigster Hochachtung
Louise Weber
St Erzsebet Korhaz Fö utza 41, II. Bezirk Budapest, Ungarn3
Aufgrund der Vielzahl an grammatischen, syntaktischen und orthographischen Fehlern durch den Verfasser dieses Dokuments wurde darauf verzichtet, sie jedes Mal mittels eines [sic] als solche zu kennzeichnen.
1In der linken oberen Ecke findet sich der Zusatz: "Jesus.Maria.Josef."
2Anmerkung am linken Rand: "Ich hatte in meinem ersten Briefe ein Schreiben von Seiner Exelenz dem Herrn Bischof von hir über mich eingelegt"
3Anmerkung am Rand: "Ich bite mir zu verzeien wenn ich solte durch mein zueites Schreiben belästichen. Da man mich sehr drängt und man die Antwort wissen will, rith man mir nochmalz zu schreiben."
Empfohlene Zitierweise
Weber, Louise an Pacelli, Eugenio vom 24. August 1928, Anlage, in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Dokument Nr. 19398, URL: www.pacelli-edition.de/Dokument/19398. Letzter Zugriff am: 19.06.2024.
Online seit 20.01.2020.