Landeskonferenz der bayerischen MSPD in Nürnberg vom 27. und 28. September 1919

Die Landeskonferenz der bayerischen Mehrheitssozialdemokraten (MSPD) in Nürnberg vom 27. und 28. September 1919 fand im Zeichen der Krise der Koalitionsregierung aus MSPD, Bayerischer Volkspartei (BVP) und Deutscher Demokratischer Partei (DDP) statt. Diese einzugehen war der sozialdemokratische Ministerpräsident Johannes Hoffmann Mitte Mai 1919 gezwungen gewesen, nachdem seine Partei die Entstehung der Münchener Räterepublik nicht hatte verhindern können und zu ihrer eigenständigen Niederschlagung nicht in der Lage gewesen war. In dieser Regierung hatte die MSPD mit Hoffmann den Ministerpräsidenten und drei weitere Minister gestellt. Auf die BVP dagegen waren nur zwei Ministerposten gefallen. Nicht zuletzt weil die Mehrheitssozialdemokraten bereits bei den bayerischen Gemeindewahlen vom 15. Juni 1919 schwere Verluste hatten hinnehmen müssen, war innerhalb der BVP die Unzufriedenheit darüber gewachsen, als stärkste Landtagsfraktion die den eigenen Grundsätzen zuwiderlaufende Regierungspolitik mittragen zu müssen und zugleich in der Regierung unterrepräsentiert zu sein. Entsprechende Angriffe in den BVP-Organen hatten für Ärger bei den Mehrheitssozialdemokraten gesorgt.
Die Landeskonferenz in Nürnberg vom 27. und 28. September 1919 ermächtigte die nach der Auflösung des Militärministeriums im August verbliebenen drei MSPD-Minister Hoffmann, Martin Segitz und Fritz Endres, dazu zurückzutreten, sollte eine Umbildung der Regierung nicht durchführbar sein, wobei offen bleibt, wie eine solche Umbildung aussehen sollte. Peter Kritzler hält es für wahrscheinlich, dass die MSPD die zu diesem Zeitpunkt nicht durchsetzbare Forderung nach einer Vermehrung ihrer Ministerposten nutzen wollte, um sich aus der undankbaren Regierungsverantwortung zurückzuziehen. Auf ihrer Münchener Landeskonferenz am 12. Oktober entschied sich die MSPD, auf die Abberufung ihrer Minister zu verzichten.
Zwar strebte die BVP eine Vergrößerung ihres Einflusses in der Regierung an, war zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht an der selbstständigen Führung der Regierungsgeschäfte interessiert. Die Regierungskrise endete vorerst, indem sowohl BVP als auch MSPD darauf verwiesen, sich angesichts des nahenden Winters nicht der Regierungsverantwortung entziehen zu wollen.
Literatur
KESSLER, Richard, Heinrich Held als Parlamentarier. Eine Teilbiographie 1868–1924 (Beiträge zu einer historischen Strukturanalyse Bayerns im Industriezeitalter 6), Berlin 1971, S. 378.
KRITZER, Peter, Die bayerische Sozialdemokratie und die bayerische Politik in den Jahren 1918 bis 1923 (Miscellanea Bavarica Monacensia. Dissertationen zur Bayerischen Landes- und Münchner Stadtgeschichte 20 / Neue Schriftenreihe des Stadtarchivs München 37), München 1969, S. 139-143.
Empfohlene Zitierweise
Landeskonferenz der bayerischen MSPD in Nürnberg vom 27. und 28. September 1919, in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Schlagwort Nr. 1111, URL: www.pacelli-edition.de/Schlagwort/1111. Letzter Zugriff am: 12.04.2024.
Online seit 25.06.2013, letzte Änderung am 10.03.2014.
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