Lateranverträge (Konkordat mit Italien)

Die Lateranverträge wurden am 11. Februar 1929 zwischen dem Heiligen Stuhl und Italien im Lateranpalast abgeschlossen und unterzeichnet. Dadurch wurde die seit der Auflösung des Kirchenstaats 1870 bestehende "Römische Frage" endgültig beigelegt, wobei der Heilige Stuhl das Königreich Italien unter der Dynastie des Hauses Savoyen mit Rom als Hauptstadt anerkannte. Im Umkehrschluss erkannte Italien den Staat der Vatikanstadt unter der Souveränität des Papstes an.
Die Lateranverträge sind ein dreiteiliges Vertragswerk: 1. ein Staatsvertrag, 2. ein Konkordat und 3. ein Finanzabkommen, das seitens des Heiligen Stuhls von Papst Pius XI., vertreten durch Kardinalstaatssekretär Pietro Gasparri und seitens des italienischen Staats von König Viktor Emanuel III., vertreten durch den faschistischen Ministerpräsidenten Benito Mussolini abgeschlossen wurde. Maßgeblicher Berater Pius' XI. in dieser Sache war Francesco Pacelli, der Bruder Eugenio Pacellis.
1. Mit dem Staatsvertrag (27 Artikel) wurde in erster Linie der Staat der Vatikanstadt (Città del Vaticano) gegründet. Die römisch-katholische Religion wurde in Italien zur Staatsreligion erklärt (Art. 1), Italien erkannte die Souveränität des Heiligen Stuhls auf internationalem Gebiet an (Art. 2) und darüber hinaus das volle Eigentum sowie die ausschließliche, unumschränkte souveräne Gewalt und Jurisdiktion des Heiligen Stuhls über den Vatikan (Art. 3). Der Vertrag enthielt eine Vielzahl von Einzelbestimmungen (u. a. Regelung der Wasserversorgung, Eisenbahnanbindung, telegraphische Versorgung etc.). Die Grenzen der Vatikanstadt wurden in einem dem Vertrage beiliegenden Plan festgelegt, ebenso die exterritorialen Besitztümer (u. a. der Papstpalast in Castel Gandolfo oder die päpstlichen Basiliken Sankt Johannes im Lateran, Santa Maria Maggiore, Sankt Paul vor den Mauern).
2. Das Konkordat (45 Artikel) zwischen Italien und dem Heiligen Stuhl regelte die Kirche-Staat-Beziehungen. Folgende Themen werden u. a. behandelt: Garantie freier Ausübung geistlicher Gewalt, staatlicher Schutz christlicher Ehe und religiöser Gemeinschaften, Religionsunterricht, Stellung und Besoldung des Klerus, Besetzung kirchlicher Pfründen, Zirkumskription der italienischen Diözesen, Abtretung der Basiliken von Loreto, S. Francesco in Assisi und S. Antonio in Padua an den Heiligen Stuhl.
3. Das Finanzabkommen (3 Artikel) setzte die Entschädigung fest, die der Heilige Stuhl für den Verlust des Kirchenstaats vom italienischen Staat ausgehändigt bekam: 750 Millionen Lire in bar und 1 Milliarde Lire in Staatstiteln (fünfprozentige konsolidierte italienische Staatsanleihe).
Der 11. Februar als Jahrestag der Lateranverträge ist in der Vatikanstadt heute noch Feiertag.
Quellen
Die Lateran-Verträge zwischen dem Heiligen Stuhl und Italien vom 11. Februar 1929. Italienischer und deutscher Text. Autorisierte Ausgabe mit einer Einleitung des Päpstlichen Nuntius Eugenio Pacelli in Berlin, Freiburg im Breisgau 1929.
MERCATI, Angelo, Raccolta di Concordati su materie ecclesiastiche tra la Santa Sede e le Autorità civili, Vatikanstadt 1954, S. 84-103.
PACELLI, Francesco, Diario della Conciliazione con verbali e appendice di documenti, Vatikanstadt 1959.
SCHÖPPE, Lothar (Bearb.), Konkordate seit 1800. Originaltext und deutsche Übersetzung der geltenden Konkordate (Dokumente 35), Frankfurt am Main / Berlin 1964, S. 161-254.
Literatur
BENZ, Hartmut, Lateranverträge, in: Lexikon für Theologie und Kirche3 6 (1997), Sp. 672 f.
FINK, Karl August, Italien, in: Lexikon für Theologie und Kirche 5 (1933), Sp. 657-660.
PRÖPPER, Winand, Die völkerrechtliche Stellung des Hl. Stuhles auf Grund der Lateranverträge vom 11. Februar 1929, Düsseldorf 1931.
VOLBACH, Fritz, Vatikan, in Lexikon für Theologie und Kirche 10 (1938), Sp. 504 f.
WOLF, Hubert, Papst und Teufel. Die Archive des Vatikan und das Dritte Reich, 2009, 7 f.
Empfohlene Zitierweise
Lateranverträge (Konkordat mit Italien), in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Schlagwort Nr. 1150, URL: www.pacelli-edition.de/Schlagwort/1150. Letzter Zugriff am: 14.04.2024.
Online seit 12.01.2016, letzte Änderung am 23.02.2017.
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