Breviarium Romanum

Das Breviarium Romanum war das seit dem Konzil von Trient (1545-1563) für die katholische Kirche gültige Stundenbuch, das den Ablauf und die Inhalte des Stundengebets regelte. Der Begriff bezieht sich darauf, dass es eine gekürzte Fassung des Messbuchs (Plenarium) darstellt.
Morgen- und Abendgebete der frühen Christengemeinden gehen auf die jüdische Tradition zurück. Im Mittelalter entwickelte sich eine Abfolge von 8 Gebetszeiten (Matutin, Laudes, Prim, Terz, Sext, Non, Vesper, Komplet). Allerdings gab es eine Vielzahl von unterschiedlichen Stundenbüchern. Psalmen, Lesungen und Gesänge wurden unterschiedlich intensiv gewichtet bzw. praktiziert. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts machten sich humanistisch gesinnte Kreise für eine Reform des Breviers stark, indem sie die Wichtigkeit der biblischen Lesungen und des Betens des gesamten Psalters im Laufe einer Woche als Standard empfahlen. Die daraufhin von Papst Leo X. angestoßene Reform (1525) wurde durch das Konzil von Trient fortgeführt. Die im Zeitalter der Konfessionalisierung notwendig gewordene Profilschärfung der katholischen Kirche sollte auch auf dem Gebiet des Stundengebetes durch eine größtmögliche Einheitlichkeit zutage treten. Dazu diente die Einführung des Breviarium Romanum von 1568.
Das Römische Brevier hatte Geltung als das Stundenbuch der katholischen Kirche. Lediglich wurde den Diözesen und Ordensgemeinschaften, die sich seit über 200 Jahren an einem eigenen Stundenbuch orientiert hatten, zugestanden, ihrer Tradition zu folgen. Auch das Breviarium Romanum wurde im Laufe der Zeit immer wieder erneuert und modifiziert. Vor allem die Erneuerungen des Heiligenkalenders der Kirche wurden wiederholt zum Anlass für Veränderungen genommen. Mit der Apostolischen Konstitution "Divino afflatu" brachte Papst Pius X. 1911 eine umfassende Breviereform in Gang. Die Psalmen wurden völlig neu verteilt und die Gesamtzahl der im Stundengebet gebeteten Verse stark reduziert. Gleichzeitig kam den Sonntagen, die zuvor von Festtagen überlagert worden waren, nun wieder eine größere Bedeutung zu. Das Stundengebet wurde unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Festtage und ihres jeweiligen Ranges bis ins 20. Jahrhundert so kompliziert, dass es in den Gemeinden durch einfachere Frömmigkeitsformen verdrängt wurde und zunehmend auf den monastischen Raum beschränkt blieb.
Quellen
Divino afflatu, Constitutio apostolica de nova psalterii in breviario romano dispositione vom 20. Dezember 1911, in: Acta Apostolicae Sedis 3 (1911), S. 633-651, in: www.vatican.va (Letzter Zugriff am: 18.10.2017).
Psalterium Breviarii Romani cum Ordinario Divini Officii jussu Ss. D. N. Pii X novo ordine per hebdomadam dispositum et editum. Editio typica, Rom 1911.
LANNER, Alois, Deutsches Laienbrevier, Freiburg im Breisgau 1923.
Literatur
BRINKTRINE, Johannes, Brevier, in: Lexikon für Theologie und Kirche 2 (1931), Sp. 551-557.
HÄUSSLING, Angelus A., Brevier, in: Lexikon für Theologie und Kirche3 2 (1994), Sp. 686.
HÄUSSLING, Angelus A., Tageszeitenliturgie, in: Lexikon für Theologie und Kirche3 9 (2000), Sp. 1232-1241.
HÄUSSLING, Angelus Albert, Tagzeitenliturgie in Geschichte und Gegenwart. Historische und theologische Studien (Liturgiewissenschaftliche Quellen und Forschungen 100), Münster 2012, S. 69-90, 292-301.
PODHRADSKY, Gerhard, Lexikon der Liturgie. Ein Überblick für die Praxis, Innsbruck / München / Wien 1962, Sp. 47 f.
VINCK, Honoré, Pie X et les réformes liturgiques de 1911-1914. Psautier, bréviaire, calendrier, rubriques (Liturgiewissenschaftliche Quellen und Forschungen 102), Münster 2014.
Empfohlene Zitierweise
Breviarium Romanum, in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Schlagwort Nr. 314, URL: www.pacelli-edition.de/Schlagwort/314. Letzter Zugriff am: 27.09.2023.
Online seit 31.07.2013, letzte Änderung am 29.01.2018.
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