Dokument-Nr. 10981
Wies, JuliusHuber, Franz-JosephKnott, Josef an Pius XI.
Rottmannshöhe, 16. August 1922

Seine Heiligkeit!
Einige Tage entrückt dem Weltgetriebe, der Hast und Eile der bayerischen Hauptstadt, in stiller Waldeseinsamkeit bei Jesuitenpatern zu Jungmänner-Exerzitien auf Rottmannshöhe bei Starnberg verweilend, suche ich hier Befreiung und Linderung von der seelischen Notlage eines Großstadtjungmanns zusammen mit meinen Bundesbrüdern.
Und ich habe diese innere Ruhe, die erhoffte Erlösung von Seelennot und Pein, von irdischen Lastern während der heiligen Exerzitienzeit gefunden und die Stimme meines reinen, jungen Innersten sagt mir, diese heilige Zeit der Herzensbildung und -erfrischung im besonderen meinem Jungmännerbunde, mit all seinem Tun und Wirken, zu weihen.
Dies soll aber auch mein Exerzitien-Versprechen sein, dass im Bunde – dessen Vorsitz zu führen ich die Ehre habe – dieser Exerzitien-, dieser wahre, echte, treukatholische Geist, noch mehr als bisher Platz greife, dass alle meine Bundeskameraden unserer Bewegung höchstes, größtes Ziel in vollem Maße erhören und erfassen lernen.
Alle Opfer wären zu erbringen, alle Lasten aber würden leichter sein, würde nicht neben den All-
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gemeinsorgen des Bundeslebens, neben den Nöten der Seele und des Geistes, als trauriges, niederdrückendes Schattenbild die finanzielle Not, die der Beischaffung der nötigen Geldmittel zur Betätigung und Unterstützung auf religiösem, charitativem und erzieherischem Gebiete, hemmend einherschleichen.
Nicht spurlos geht am Bunde die allgemeine wirtschaftliche Notlage unseres armen Vaterlandes vorüber, selbst der größte Opfersinn der Bundesbrüder vermag die ungeheuren Ausgaben zu decken.
Mit 16 Mann hat mein Vorgänger im Jahre 1919, als ersten in Süddeutschland, den Bund gegründet, heute nunmehr über 60 zählend, wollen wir doch auch unsere führende Stellung im Jungmännerbund-Lager nicht preisgeben, getreu nach unserem Programm handeln und wandeln zur Erziehung tatkräftiger, echt katholischer Zukunftsmänner, die Deutschland nötiger denn je braucht.
Sollte nun infolge pekuniärer Notlage unsere 3 jährige Arbeit umsonst gewesen sein, sollte eine mächtig aufflammende Bewegung mit einem Male in sich zusammenbrechen, trotz der Aufopferung aller Beteiligten – nein das kann ich nie und nimmer glauben!
Mit zäher Ausdauer wollen wir weiterbauen am begonnenen Werk, doch die größte Not treibt mich auf die Suche nach einem Ausweg.
Und ich glaube ihn gefunden zu haben. Gerade die Vorträge unseres Exerzitienmeisters, ein ganzes, geschlossenes Gebilde im Weltall des Schöpfers, eine große, gute Familie zu sein, veranlassen mich im Namen des Katholischen Jungmännerbundes "Ludovicia"
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bei dem Familienoberhaupt unserer katholischen Gemeinschaft, bei dem Vater unserer heiligen katholischen Kirche, die inständige, notdringende Bitte um eine Unterstützung zur Linderung der finanziellen Notlage in meinem Bunde zu erflehen. Die Segnungen der heiligen Exerzitien lassen mich diesen Notschrei durch die Feder fließen und weithin schallen über Deutschlands Grenzen hinaus.
Jederzeit erkläre ich mich bereit Seiner Heiligkeit noch ausführlichen Bericht über unser Bundesleben und unsere pekuniären Schwierigkeiten zu geben, doch glaube ich annehmen zu dürfen, daß Seiner Heiligkeit väterliches, goldenes Herz sicherlich in Würdigung des Geschilderten, zur Linderung unserer Not aufgetan sein wird.
Seiner Heiligkeit Ehrerbietigster
Huber
(Schriftführer)
Julius Wies
(Vorsitzender)
Für die Richtigkeit:
Knott
(Präses)
132r, hds. unterhalb des Textes vom Verfasser notiert: "Anschriften bitte ich zu richten an: Stiftsprediger Josef Knott, München, Pfarrhof St. Ludwig, Ludwigstr. 20oder Vorsitzenden Julius Wies,München, Amalienstr., 58/2 l(Bayern)".
Empfohlene Zitierweise
Wies, Julius an PiusXI. vom 16. August 1922, Anlage, in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Dokument Nr. 10981, URL: www.pacelli-edition.de/Dokument/10981. Letzter Zugriff am: 26.11.2022.
Online seit 31.07.2013.