Reichspräsident, Weimarer Republik

Die Weimarer Reichsverfassung verstand das Amt des Reichspräsidenten als Gegengewicht zum starken Reichstag. Der Reichspräsident wurde direkt vom Volk auf sieben Jahre gewählt (Art. 41 und 43). Er hatte das Recht, den Reichstag aufzulösen, jedoch nur einmal aus dem gleichen Anlass (Art. 25). Der Notverordnungsartikel 48 erlaubte es ihm, einen Bundesstaat, sollte dieser seinen ihm nach der Reichsverfassung oder den Reichsgesetzen obliegenden Pflichten nicht nachkommen, mit militärischen Mitteln dazu zu bewegen. Zusätzlich konnte der Reichspräsident bei der Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung notfalls mit militärischen Mitteln diese wiederherstellen lassen. Dazu durfte er die Grundrechtsartikel zur Freiheit der Person (Art. 114), der Wohnung (Art. 115), der Post (Art. 117), der Meinung und Presse (Art. 118), der Versammlung (Art. 123), der Vereine (Art. 124) und des Eigentums (Art. 153) ganz oder zum Teil außer Kraft setzen. Machte der Reichspräsident von diesen Maßnahmen Gebrauch, musste er den Reichstag umgehend darüber in Kenntnis setzen. Wegen seiner starken Position wurde der Reichspräsident oft als "Ersatzkaiser" bezeichnet.
Die Verfassunggebende Nationalversammlung wählte am 11. Februar 1919 Friedrich Ebert zum ersten Reichspräsidenten der Weimarer Republik. Der Reichstag verlängerte am 24. Oktober 1922 seine Amtszeit wegen der Unruhen um die Ermordung Walter Rathenaus bis in den Juni 1925, doch starb Ebert bereits am 28. Februar 1925. In der ersten direkten Wahl eines Weimarer Reichspräsidenten setzte sich in den Wahlgängen vom 29. März und 26. April 1925 der nationalkonservative Monarchist und ehemalige Chef der III. Obersten Heeresleitung Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg durch.
Quellen
Die Verfassung des Deutschen Reichs. Vom 11. August 1919, in: Reichsgesetzblatt 152 (1919), S. 1383-1418, in: alex.onb.ac.at (Letzter Zugriff am: 31.08.2012).
Die Verfassung des Deutschen Reichs. Vom 11. August 1919, in: Reichsgesetzblatt 152 (1919), S. 1383-1418, in: www.lwl.org (Letzter Zugriff am: 29.05.2012).
Die Verfassung des Deutschen Reichs vom 11. August 1919, in: www.dhm.de (Letzter Zugriff am: 14.02.2012).
Die Verfassung des Deutschen Reichs vom 11. August 1919, in: HUBER, Ernst Rudolf (Hg.), Dokumente zur deutschen Verfassungsgeschichte, Bd. 4: Deutsche Verfassungsdokumente 1919-1933, Stuttgart u. a. 31991, Nr. 57, S. 151-179.
Literatur
BÜTTNER, Ursula, Weimar. Die überforderte Republik. 1918-1933, in: BENZ, Wolfgang (Hg.), Gebhartdt. Handbuch der deutschen Geschichte, Bd. 18: 20. Jahrhundert (1918-2000), Stuttgart 102010, S. 171-767, hier 342-344.
FALTER, Jürgen / LINDENBERGER, Thomas / SCHUMANN, Siegfried, Wahlen und Abstimmungen in der Weimarer Republik. Materialien zum Wahlverhalten 1919-1933 (Statistische Arbeitsbücher zur neueren deutschen Geschichte), München 1986, S. 39-45.
GUSY, Christoph, Die Weimarer Reichsverfassung, Tübingen 1997, S. 115-130.
HUBER, Ernst Rudolf, Deutsche Verfassungsgeschichte seit 1789, Bd. 6: Die Weimarer Reichsverfassung, Stuttgart u. a. 1981, S. 349-373.
KOLB, Eberhard, Die Weimarer Republik (Oldenbourg Grundriss der Geschichte 16), München 72009, S. 19.
Empfohlene Zitierweise
Reichspräsident, Weimarer Republik , in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Schlagwort Nr. 18008, URL: www.pacelli-edition.de/Schlagwort/18008. Letzter Zugriff am: 01.12.2022.
Online seit 14.01.2013, letzte Änderung am 25.02.2019.
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