Vatikanisches Geheimarchiv

Ursprünglich hatte das Vatikanische Geheimarchiv (lat. Archivum Secretum Apostolicum Vaticanum, ital.: Archivio Segreto Vaticano (ASV)) einzig die Aufgabe, den Päpsten und der Kurie als Verwaltungsregistratur zu dienen. Es wurde allerdings 1881 für die wissenschaftliche Nutzung geöffnet und beherbergt heute insgesamt fünfundachtzig Regalkilometer an Archivmaterial. Der Ausdruck "geheim" ist im Sinne von "privat" zu verstehen, denn das AAV ist kein öffentliches Archiv im gewöhnlichen Sinne, sondern das Archiv des Papstes, der deshalb auch das volle und alleinige Verfügungsrecht über alle Bestände hat.
Es werden immer alle Akten aus der gesamten Regierungszeit eines Papstes gleichzeitig zugänglich gemacht, wobei es allerdings keinem festen Zeitplan gibt. Die Entscheidung über die Öffnung bestimmter Bestände liegt allein in der souveränen Entscheidung des jeweiligen Papstes. So wurden etwa zu Beginn der 1990er Jahre auf Weisung Johannes Pauls II. die Akten Benedikts XV. (1914-1922) zugänglich.
Im Jahr 2003 wurden entgegen der üblichen Gepflogenheiten im Vatikanischen Geheimarchiv vier Aktenserien aus der Regierungszeit Pius' XI., also aus den Jahren von 1922 bis 1939, gesondert zugänglich gemacht. Es handelte sich dabei zum einen um die Archive der Nuntiaturen in München und Berlin und zum anderen wurde die vatikanische Gegenüberlieferung zu diesen deutschen Beständen in den Archiven des Päpstlichen Staatssekretariats beziehungsweise der Kongregation für die Außerordentlichen Kirchlichen Angelegenheiten, die Serien "Baviera" und "Germania", einsehbar
Im Februar 2006 machte Papst Benedikt XVI. alle Akten des Vatikanischen Geheimarchivs aus dem Pontifikat Pius' XI. der Forschung zugänglich. Dabei handelt es sich um die gewaltige Menge von rund hunderttausend archivalischen Einheiten, also Schachteln, Faszikeln, Konvoluten oder Aktenbündeln mit jeweils bis zu tausend Blatt Umfang.
Die Akten aus den verschiedenen Länderserien des Staatssekretariats beziehungsweise der Kongregation für die Außerordentlichen Kirchlichen Angelegenheiten wurden 2011 aus dem Vatikanischen Geheimarchiv ausgegliedert und in das neu geschaffene Historische Archive der Zweiten Sektion im Staatssekretariat, Sektion für die Beziehungen mit den Staaten überführt.
2019 erfolgte die Umbenennung in Vatikanisches Apostolisches Archiv (Archivio Apostolico Vaticano, AAV). Das AAV steht unter der Leitung des ausgewiesenen Archivars und Historikers Bischof Sergio Pagano und ist Kooperationspartner der "Kritischen Online-Edition der Nuntiaturberichte von Eugenio Pacelli (1917-1929)".
Literatur
Archivum Secretum Vaticanum, in: www.archiviosegretovaticano.va (Letzter Zugriff am: 04.02.2016).
MATHEUS, Michael / WOLF, Hubert (Hg.), Bleibt im Vatikanischen Geheimarchiv vieles zu geheim? Historische Grundlagenforschung in Mittelalter und Neuzeit. Beiträge zur Sektion des Deutschen Historischen Instituts (DHI) Rom organisiert in Verbindung mit der Westfälischen Wilhelm- Universität Münster Seminar für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte. 47. Historikertag Dresden 30. September – 3. Oktober 2008 (Online-Publikationen des Deutschen Historischen Instituts in Rom), Rom 2009, in: www.dhi-roma.it (Letzter Zugriff am: 04.02.2016).
WOLF, Hubert, Papst und Teufel. Die Archive des Vatikan und das Dritte Reich, München 22009, S. 19-26.
Empfohlene Zitierweise
Vatikanisches Geheimarchiv, in: 'Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte Eugenio Pacellis (1917-1929)', Schlagwort Nr. 449, URL: www.pacelli-edition.de/Schlagwort/449. Letzter Zugriff am: 04.12.2022.
Online seit 01.10.2013, letzte Änderung am 20.01.2020.
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